14.00. Nachts im Kinderheim [OFFEN]

„Jan“, flüstert leise Dan und schluchzt. Jan schläft tief und Dan rüttelt nun heftiger an der Schulter des großen Bruders. „Jan, wache doch auf!“

Endlich bewegt sich Jan. Es dauert noch einen Moment, dann reibt sich Jan endlich die Augen und setzt sich auf. Dan kuschelt sich sofort an Jan und sagt mit erstickter Stimme: „Jan, ich glaube, dass Mama und Papa uns schon vergessen haben, denn sie besuchen uns nicht mehr. Ich vermisse sie und auch unsere Schwestern sehr. Wann können wir endlich heim?“ Dan beginnt bitterlich zu weinen. Es fällt ihm schwer, seine nächste Frage zu formulieren: „Und warum sind wir denn eigentlich hier?“

Jan sucht etwas, womit er Dans verheultes und verschwitztes Gesicht säubern kann, findet aber nur sein kleines Tuch und versucht seinen Bruder zu beruhigen, während er Tränen trocknet. „Dan, nun höre auf zu heulen. Wir sind schon so lange hier und seit Montag ist auch wieder Schule. Die müssen uns bald in die Schule schicken und mich zum Boxtraining.“

„Ja, aber warum kommen unsere Mütter nicht mehr? Die waren immer hier. Jetzt sind sie zurück ins Dorf gefahren und haben uns schon vergessen. Das stimmt doch, Jan?“

„Aber nein, Dan, die sind nur beschäftigt und müssen unsere Wäsche waschen. Die kommen morgen und holen uns ab!“

Dan beruhigt sich langsam.

„Was macht ihr beiden da?“, murmelt Phil schlaftrunken.

„Nichts, wir unterhalten uns bloß, weil Dan wach geworden ist“, antwortet Jan leise.

„Jetzt kann ich nicht mehr schlafen“, sagt Phil, der inzwischen zu den Brüdern gekommen ist und sich zu ihnen setzt.

„Ich auch nicht.“ Dan schnäuzt sich die Nase.

„Warum hast Du denn geheult?“, möchte Phil wissen.

„Och, ich habe geträumt, wir bleiben hier, bis wir groß sind und niemand besucht uns. Dann bin ich wach geworden und war ganz traurig und Jan hat geschlafen und mich nicht gehört.“

Jan schüttelt den Kopf: „Und ich habe geträumt, wir haben zwei Kilo Fisch gefangen und wollten den gerade im Dorf verkaufen. Ich habe mich schon auf die 300 Piso gefreut und dann machst Du mich wach!“

Nun kichern die drei Jungen.

„Psst“, hören sie aus der Ecke, wo die zwei Brüder Kyle und Albert schlafen.

Phil wirft Jans Kissen in die Richtung. Die Antwort ist ein „Hey!“ und dann das Kissen, das zurückgeflogen kommt und Dan trifft, obwohl es düster im Raum ist, denn es ist noch tiefste Nacht.

Kyle, er ist der ältere der zwei Brüder aus der Familientragödie, setzt sich zu den Dreien: „Was ist denn mit Euch los? Warum pennt Ihr nicht?“

„Dan hat schlecht geträumt“, antwortet Phil, „und uns alle wach gemacht.“

„Dagegen habe ich was ganz Tolles geträumt!“, wendet Jan ein. „Nämlich von zwei Kilo gefangenen Fisch und 300 Piso. Aber dann hat mich Dan geweckt.“ Traurig ergänzt Jan: „Es ist schon Freitag und Ihr beide könnt heute bestimmt zurück nach Hause und wir bleiben wohl noch hier!“

„Kyle lacht bitter: „Ja, solange bis unser Alter wieder anfängt zu saufen. Dann geht die ganze Geschichte von vorne los.“

„Ihr werdet uns fehlen“, sagt Jan leise. „Wie es wohl unseren Rugbyboys geht?“

„Mache Dir um die mal keine Sorgen!“, entgegnet Kyle und seufzt: „Die wissen, wie man auf der Straße überlebt!“

„Trotzdem werdet Ihr uns fehlen!“, wiederholt Phil traurig.

„Ihr uns auch!“, grinst Kyle.

„Kommt uns doch einfach besuchen, hier im BSWD“, sagt Dan mit ernster Stimme.

„Freiwillig zurück ins BSWD?“, amüsiert sich Kyle. „Niemals!“

Dan wundert sich über Kyles Fröhlichkeit und glaubt, dass Kyle so froh ist, weil sie heute nach Hause dürfen. Er murmelt: „Aber Ihr könnt uns immer im Dorf besuchen kommen.“

„Ja, ruft Phil etwas zu laut, „dann gehen wir fischen und schlafen am Strand!“

„Das machen wir“, verspricht Kyle und gähnt.

Das Gähnen steckt an und Kyles drei Freunde gähnen ebenfalls.

„Ich haue mich noch einmal hin“, sagt Kyle müde und begibt sich zu seinem Bett.

„Jan, ich muss auf’s Klo. Ich habe aber Angst alleine. Kommst Du mit?“

Phil springt auf: „Ich muss auch mal, ich begleite Dich, Dan.“

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