Geschützt: the new Hotel II

Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter Beitrag ist.

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

Geschützt: Freund (DE)

Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter Beitrag ist.

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

the soup and the old woman

Kap 1 old woman and soup

Die Suppe und die alte Frau

Ekelhaft!

  • Ist der Geruch der Suppe aus Kuhinnerreien, die heiß vor dir dampft. Es riecht aus dem Napf nach Urin, Galle und Panzen.
  • Ist nicht die braunhäutige, weißhaarige alte Frau sondern ekelerregend ist, dass sie direkt vor dir, ihre Rotze – auf den immerfeuchten, lehmig-glitschigen – Boden neben den Abwasserkanal speit.
  • Ist dieser offene – ca. 15 cm breite und ebenso tiefe – Abwasserkanal. In dem immer dann stinkende Fäkalien schwimmen, wenn die Fäkaliengrube – hier Septiktank genannt – überläuft. Wenn der ekelhafte Gestank dich dann zur etwa halbstündigen – Flucht aus deinem »Exil« treibt. Und das manchmal vier bis fünf mal am Tag.
  • Die – etwa zehn Meter entfernte – Pinkelecke. Dort wo der Abwasserkanal unter dem Maschendrahtzaun verläuft, um dann – etwa fünf Meter weiter – in einem Loch, an der Gefängnismauer zu enden.
    Dort – wo über den Tag – etwa 50 Inmates sich erleichtern. Wenn am Abend der Wind den süßlichen, ekelerregenden Geruch nach gährenden Urin in deine Hütte weht.
  • Ja, diese verdreckte Hütte ohne Fußboden. In der das Regenwasser läuft, wenn es zwei Tage regnet. In der genau um sechs Uhr morgens und um sechs Uhr Abends Unmengen von Mücken über dich herfallen. Unmengen von Ameisen und andere kriechende und fliegende Insekten ununterbrochen unterwegs sind. In der es – obwohl du es mit fester Plastikfolie abgedichtest hast – immer mal wieder rein regnet.
  • Sind die dunklen Höhlen der – schneidezahnlosen – Münder, der immer lachenden oder stets ginzenden Inmates. Die dir in ihrer schamlosen – oder von dir falsch verstandenen? – Freundlichkeit, ständig »Hey Joe« ins Gesicht brüllen.
  • Es ist das, was hier drei mal täglich als Essen serviert wird.
  • Ist auch die oft – schwer zu ertragende – Dummheit und Blödheit mancher Inmates. Oft wurde dir berichtet, diese Leute haben sich als Strassenkinder mit dem Klebstoff »Rugby« das Gehirn weg geblasen. Diese üblen Geschichten glaubst Du!
  • Ist schließlich diese unsäglich laute Karaoke, die ständig an deinem Nervenkostüm nagt.

Vor dir der grob gezimmerte Holztisch, mit dieser verdreckten Plasikauflage. In ihrem ersten Leben sicherlich die Haut eines schwarzen Aktenkoffers aus Kunstleder. Ab und zu spülst du diese Auflage mit heißem Wasser ab, um wenigstens dort etwas Sauberkeit zu haben.
Am Holztisch und in der Ablage unter der Tischplatte, Reste von Essensresten, Spinnweben und verlassenen Insektenkokone. Ameisen in allen Größen, die ständig nach Verwertbaren am Tisch suchen.

Obwohl du ausgehungert bist, probierst du die Suppe nur. Ein extreme scharfer Geschmack nach Kuh. So etwa als würdest du Rindsbouilon mit dem Löffel essen. Zu erkennen sind Panzen-, Euter-, Magen und Stücke vom Darm. Du nimmst nur einen Löffel und hustest, da die Brühe beim Schlucken am Gaumen kratzt. Baklay – das in streichholzdicke Streifen geschnitten ist – schwimmt in der Brühe. Brain erklärt, »Baklay sei eine Gemüseart, die im zugenähten Kuhmagen verkocht wird.« Das würde den intensiven Geschmack, der auch noch nach 20 Minuten – zwar leicht abgeschwächt – auf der Zunge brennt erklären. Brain isst dazu NFA Reis. Reis der »National Food Authority«. Das Kilo zu rund 24 Peso. Guter Reis kostet das doppelte. Die Marke „Best Trading“ zum Beispiel, ist auf jeden Markt derzeit für etwa 42 bis 48 Peso zu bekommen. Der NFA Reis ist teilweise braun, teilweise schwarz. Braun und schwarz, da die Schalen nicht richtig entfernt wurde. Durchsetzt mit Fremdkörpern wie kleinen Kieselsteinen oder manchmal Stofffetzen. Oft ist der Reis zu einer pampigen Masse verkocht. Körner sind nicht erkennbar. Der Geruch erinnert eher an ein Chemiewerk denn an gekochten Reis.

Die weissen Säcke, aus geflochtenen Kunststofffasern – in denen der Reis angeliefert wurde – werden als Müllsäcke recycelt. Füllen sich die Säcke ist dann für jedermann zu lesen: „NFA Rice, 50kg, Ho Chi Minh City, Vietnam, Best milled rice.“

Verteilt wird der Reis drei mal täglich. Immer kurz vor oder nach dem Headcount. Gegen 8 Uhr morgens, um 12.00 Uhr Mittags und nochmals etwa gegen 16.00 Uhr. Der letzte Headcount des Tages findet um 20.00 Uhr statt, dann aber ohne Reiszugabe.

Dazu gibt es dreimal täglich Bulad. Das ist getrockneter Fisch, der hier in Kokusnussöl frittiert wird. Warum es noch nicht zur Revolution – wegen des Essens – gekommen ist, ist eines der großen Geheimnisse hier. Mitgefangene berichten: »Isst du vier Jahre lang – tagein, tagaus – nur diesen Fras, bist du nach vier Jahren tot!«

Ich denke…. »vier Jahre bedarf es dazu nicht!«

Der Fisch – der in grossen Töpfen über den Hof von zwei kräftigen Männern zu den Eingängen der Zellenhäusern geschleppt und dort verteilt wird – riecht wie nasser toter Hund und schmeckt nach vergammelten Fleisch. Der Fisch ist durch das Frittieren vollkommen zerrissen. Es sind nur noch Gewebefetzen, Schuppen, Flossen, Augen und Kreten erkennbar. Dazwischen das wenige Fleisch. Eine stahlblaue übelriechende Masse, im Fettsud schwimmend.

Heute ist Sonntag also Besuchstag. Da gibt es schon mal eine dünne Hühnerbrühe oder eine Art Glasnudelsuppe mit sehr wenigen Stücken Schweinefleisch.

Alwin und Ki schleppen den Reis in einer Kunststofftonne heran. Die Tonne – von Flicken und Rissen, die mit Nylonschnur genäht wurden übersäht – misst etwa einen Meter Höhe und ist etwa von einem halben Meter Durchmesser. Die Tonne ist schwer und die beiden Männer müssen sie mehrmals auf ihren Weg quer über das Gelände von der Küche in die Zellenhäusern absetzen, um zu verschnaufen. Vor den Zellen wird der Reis in Kunststoffdosen rationiert. Die Dosen sind verschließbar. Das müssen sie sein. Ameisen und andere Insekten sind sofort zur Stelle um ihren Anteil an essbarem einzufordern. Stehen Essen oder Essensreste in der Nacht herum, lassen sich Mäuse- Kakerlaken- und Rattenhorden blicken, angelockt vom Duft faulenden Fisches oder was es sonst noch so gab und nun vor sich hin gährt.

Erschrocken bleibt die alte Frau kurz stehen. Unsere Blicke treffen sich. Ein fast zahnloses Grinsen macht sich in ihrem Gesicht breit. Ein einsamer Schneidezahn oben und ein Zahn unten haben die Jahre mit ihr überlebt. Die trüben Augen glänzen plötzlich. Sie speit erneut aus und krächst ein rauhes »Hey Joe« aus. »You are wrong here. That is not a place for an US« und hängt noch ein »amigo« dran.

Du verzichtest darauf – ihr zu erläutern – dass es ausserhalb ihres Landes noch andere Länder, als das US-Land gibt.

Ein drittes mal speit sie aus. Woher nimmt sie nur diese Mengen an Rotze?
Du schaust in deine Suppe um nicht nochmal das sehen zu müssen, was die Alte da ständig – ungeachtet dessen, dass du gerade versuchst etwas zu essen – von sich gibt. Sie wechselt ein paar Worte mit Brain in Bisaya.

Brain 36 jährig, Vater von fünf Jungs und zwei Mädchen von drei Müttern. Die älteste 18 Jahre, der jüngste Knabe – im Knast gezeugt – 6 Jahre. Brain, etwa 1,70m, kraftig aber nicht fett. Selbstverliebt und eitel. Gutaussehend, volle Haare die abstehen wie kleine Nadeln, ein Frauenschwarm und Herzensbrecher. Telefoniert die meiste Zeit des Tages, mit dem – streng geheimen – Handy um seine – sozialen Kontakte – zu pflegen.
Einziges Manko im rundum gelungenen Herzesbrecher: Der abgebrochene, halbverfaulte braune Schneidezahn oben. Deshalb lacht Brain am liebsten mit geschlossen Mund. Brain, seit sieben Jahren hier. Sektion 5, Drugs. Hat es als Shabu-Pusher wohl ein wenig übertrieben. Die Geschäfte liefen blendend. Doch halt! Noch gilt die Unschuldsvermutung, wie bei allen hier, die noch nicht verurteilt wurden. Er wartet auf den Richterspruch.

Ich verstehe nicht was gesprochen wird. Als die Alte sich entfernt erklärt Brain, dass sie Zigaretten kaufen will und er sie zu Joel geschickt hat. Der könne ihr die Zigaretten besorgten.
Ich schiebe die Suppe zur Seite die Brain von Sophia bekommen hat.

Sophia, Brains Freundin aus dem Female Dorm. Anfang 40, hartes ausgemergeltes schmales Gesicht. Schlanke Gestalt. Glatte schulterlange – wie alle schwarze – Haare.
Sektion 5, Drugs, verurteilt, wartet auf ihren Transport ins Staatsgefängnis.

Brain – stolz darauf die Suppe organisiert zu haben – fragt in gebrochenen Englisch ob du die Suppe nicht magst? »To strong!« erwiderst du.

Ein klein wenig gekränkt scheint Brain zu sein, lässt sich das aber nicht anmerken.

© 2014 by nokbew