2.10. ABC-PTV Morgenkonferenz

(Fortsetzung Kapitel 2.07.)

Steiner schaut auf die laut tickende Wanduhr im tristen Konferenzzimmer. Suzette Zambrano und ihre beiden Begleiter vom morgendlichen BSWD-Youthhome Interview schauen äußerst zufrieden. Der Kameramann und der, zum Tontechniker degradierte, Reporter sehen nun arg übernächtigt aus, gähnen pausenlos oder reiben sich die roten Augen. Steiner lässt sich vom Gähnen anstecken, nimmt danach einen tiefen Schluck aus der Kaffeetasse (mit ABC-PTV Logo), schaut in die Runde und sagt: „Prima Job Ihr Drei! In etwa 30 Minuten – also gegen 8:30 Uhr lassen wir die Bombe platzen.“
Er lächelt die süße Suzi an: „Suzi, hast Du schon den Abspann des Berichtes mit unserem Senderspruch und Deinem Namen besprochen?“
Suzi rekelt sich auf ihrem gepolsterten Bürostuhl. Die schlanken Beine übereinandergeschlagen: „Klar doch, Chef. Ich spreche aber erst meinen Namen und dann unseren ABC-PTV Spruch. Wie immer wir das so machen“, verdreht sie die Worte.
„Klar doch, Suzi! Wollte Dich mal testen. Hehe.“
Suzi macht als Antwort ein blödes Gesicht. Allgemeines Gekichere. Der Chef hat einen seiner merkwürdigen Witze gerissen.
Der Redakteur meldet sich zu Wort: „Wir haben noch ein paar Sequenzen aus der Konserve eingebaut. Hotel, Police Station, das Gebäude vom BSWD Youth Home und das Gelände. So wird das Ganze lebendig und authentisch.“
„Du bist ein Genie“, antwortet Steiner mit einem nicht zu deutenden Unterton. Wahrscheinlich ist es Sarkasmus.
Der Redakteur fasst Steiners Antwort als Kompliment auf und grinst zufrieden.
Steiner reibt sich mit beiden Händen die Müdigkeit aus dem Gesicht.
‚Jonny Walkers Nachwirkungen‘, sinniert er.
Steiner wirkt nachdenklich: „Es ist einr Bombe! Mensch, der Deutsche muss aber auch besonders blöd sein? Mit fünf Pinoy-Äffchen im Hotel Nummer Eins der Stadt. Im einzigen Nobelhotel weit und breit.“
Suzi entgegnet: „Oder naiv oder einfach unwissend.“
„Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!“, gähnt Steiner müde.
Der Kameramann verdreht die Augen: „Nobelhotel? Da sind doch nur die Preise nobel“, und lacht als einziger gekünstelt, über seinen flachen Witz. Alle schauen ihn schweigend an. Keiner lacht mit. Er schaut peinlich berührt zur Decke. Auch Steiner schaut den Kameramann kurz verständnislos an, kratzt sich am Kopf, greift den Telefonhörer des Tischapparates und tippt drei Nummern: „Ist der Bericht über den Deutschen fertig?“
„Gerade fertig geworden, Chef“, tönt es blechern aus dem Telefonlautsprecher, „ist jetzt auf dem Server.“ Man hört hektisch eine Tastatur klappern: „Nein, Chef, jetzt, jetzt ist der Bericht abrufbar.“
Nun verdreht Steiner die Augen: „Ich gebe gleich Feedback“, ruft Steiner ins Telefon und legt auf.

Der Redakteur schaltet parallel zu Steiners Telefonat den Beamer und den Flachbildschirm mit der Fernbedienung ein.
Steiner startet mit der Maus auf dem Tisch den Bericht.
Das Hotel wird gezeigt. Der Berichterstatter poltert mit aggressiver atemloser Stimme aus dem Off: „ABC-PTV, Exclusiv! German National arrested! Five Minors rescued by Police and BSWD!“ Die gläserne Tür der Cottage kommt ins Bild. Vor der Tür die gelb verfärbten hochgesteckten Haare der BSWD-Mitarbeiterin Solano. Schemenhaft erkennt man nun eine Gestalt hinter der dicken Glasfront im Raum. Die Gestalt öffnet die Tür eine Handbreit.

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