2.09. Alptraum Zelle

(Fortsetzung Kapitel 2.03.)
Offizier Sarang spurtet gut gelaunt durch das erste Drahtzauntor, um dann sportlich über den Abwasserkanal zu springen. Dort hättest du dir heute früh fast den Fuß gebrochen. Danach passiert er das zweite Drahtzauntor und verschwindet an der Hausecke des Präsidiums aus deinem Sichtbereich.
Du setzt dich auf das untere Etagenbett und starrst in den Müllberg. Der bewegt sich nicht und es raschelt auch nicht im Müll. Deine Armbanduhr zeigt kurz vor sieben Uhr.
Nach dem bisschen Schlaf der letzten Nacht und dem einfachen, aber doch leckeren Frühstück werden dir schnell die Augen schwer. Die Müdigkeit senkt sich wie ein schwarzes Tuch über dich. Der Müllberg verschwimmt. Erschöpft legst du dich auf die rechte Seite. Dein Arm als Kopfstütze. An den Zustand der Pappen auf dem Bett erinnerst du dich schon gar nicht mehr. Du registrierst noch das leichte Pochen unter dem Pflaster am linken Handrücken.

Der Alptraum lässt dich in einem völlig vermüllten Jumbo-Jet fliegen. Du bist der einzige Fluggast. Die Einsamkeit packt dich. Das Ziel ist unklar. Nach kurzem unruhigen Flug, verabschiedet dich die gesamte Crew mit Handschlag an der Flugzeugtür. Anstatt einheitlicher Kleidung einer Fluggesellschaft trägt die gesamte Mannschaft dunkelblaue Polizeiuniformen und Badelatschen. Der Kapitän trägt zusätzlich zur Uniform noch eine überdimensionale Polizeimütze mit blutrotem Band. Er grinst breit, entblößt ein abstoßend löchriges Gebiss und übergibt dir eine einfache Pappschachtel. Die dünne Pappe ist feucht und hat Wasser- und Stockflecken. Es riecht plötzlich muffig und modrig nach feuchtem Papier. Der Kapitän grinst weiter ölig und säuselt in kaum verständlichem Englisch: „Sir, this is our gift for you.“ Im Befehlston und ohne Grinsen weist er dich barsch an: „Öffnen Sie sofort die Schachtel!“ Du blickst ungläubig auf die hochglanzpolierten chromglänzenden Handschellen. Schallend lacht die Crew. Einige machen Fotos und reißen Witze.
Die kleine korpulente Stewardess – ihr baumelt ein laminierter Ausweis unter dem Atombusen – zieht eine Grimasse. Sie spricht Deutsch: „Unser Geschenk für Sie. Für Ihre Zukunft.“
In Panik stürzt du aus dem Flugzeug, die Gangway hinunter, an allen Kontrollen vorbei, quer über den Flughafen.
Ein Sicherheitsbeamter stürzt hinter dir her. Er hat frappierende Ähnlichkeit mit Officer Sarang: „Mister Heger, Sir“, ruft er, „Mister, bleiben Sie stehen! So warten Sie doch! Da ist noch eine gute Nachricht für Sie drin!“
Du hörst ein Schlüsselbund klimpern: „Mister Heger, Sir“, vernimmst du wie durch Watte, „Mister Heger, Sir, aufwachen. Ma’am Papillio möchte Sie sprechen.“
Du bist benebelt und schlaftrunken. Es fällt dir schwer, die Uhr zu entziffern. Nach einigen Sekunden gelingt es. Es ist kurz vor acht Uhr.

Copyright by NOKBEW!

Advertisements