2.39. Heul doch!

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Du bist im Halbschlaf und schreckst hoch. Die dürre Kerze flackert nervös, in einem kaum wahrnehmbaren Lüftchen. Der Rauch des glimmenden Lion Tiger- Moskitokillers verliert sich schnell ins Dunkle der schwülheißen Tropennacht.

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Der widerwärtige Gestank der Müllhalde dir gegenüber vermischt sich mit dem Geruch des, nach Räucherstäbchen duftenden, Lion Tigers. Besser wird die Luft in der Zelle dadurch nicht. Durch den schmalen Fensterschlitz scheint kaltes Mondlicht und durch die Gitterstabtür fällt das Licht von den matten Halogenstrahlern an der Gebäudewand gegenüber. Die Zellendecke und die Wände sind kaum auszumachen, so finster ist es. Du erschrickst und schlägst dir aus einem Reflex heraus auf das Ohr, da dort eine Mücke unvermittelt nervig summt, als flöge sie direkt in deinen Gehörgang.

Nun bist du endgültig wach, obwohl du schlafen solltest und setzt dich auf die Bettkante. Die Armbanduhr illuminiert 22:04 Uhr.

„Schon 24 Stunden in Haft“, stellst du flüsternd fest und es hallt im Kopf nach: ’24 Stunden.‘
„Verdammt, du bist 24 Stunden in Haft. Warum nur? Wegen einer kurzen Nacht im Hotel? Was ist passiert? Was soll das ganze? Ist das ein Witz? Du bist im falschen Film, auf das falsche Gleis geraten.“, sprichst du leise zu dir selbst.

Es geht dir unendlich viel durch den Kopf. Die liebe Familie, die Freunde und Kollegen in Deutschland. Die Familien und Freunde aus dem Dorf. Und natürlich die fünf Jungen, die jetzt im Jugendheim stecken. Der robuste, praktisch denkende Sam, der nachdenkliche und intelligente Jan, der immer ein Auge auf seinen kleinen, süßen und schüchternen Bruder Dan hat. Dann der immer lustige und freche Aboy und sein gutmütiger und abenteuerlustiger Cousin Phil. Das Erinnern, an ihre stete Fröhlichkeit und wie glücklich sie über eure Reise gewesen sind, macht dich traurig.

Da ist ein Feuer und Funkeln in ihren jungen Augen. Ein Sprichwort sagt: ‚Das gesamte Universum ist in jedem Kind zu finden.‘

Deine Augen werden feucht, du schluchzt und sogleich heulst du leise los. Rücklinks liegst du auf dem versifften Bett und findest kein Ende. Das kleine Frotteetuch bedeckt dein Gesicht und ist bereits ganz feucht. Die Natur fordert dann doch ihren Tribut und du fällst in einen traumlosen Schlaf.

[Ende 2. Kapitel und zweiter Tag]

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