2.39. Nervenzusammenbruch

Schon im Halbschlaf schrecke ich hoch. Die dürre Kerze flackert nervös, in einem kaum wahrnehmbaren Lüftchen. Der widerwärtige Gestank der Müllhalde vermischt sich mit dem Geruch des glimmenden und nach Räucherstäbchen duftenden Lion Tigers. Besser wird die Luft in der Zelle durch den Moskitokiller auch nicht.

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Zum schmalen Fensterschlitz scheint kaltes Mondlicht und durch die Gittertür das Licht der matten Halogenstrahler von der Gebäudewand gegenüber in die Zelle hinein. Die Zellendecke und die Wände sind kaum auszumachen, so finster ist es. Aus einem Reflex heraus schlage ich mir auf das Ohr, da dort plötzlich eine Mücke summt, als flöge sie direkt in meinen Gehörgang.

Nun bin ich endgültig wach, obwohl ich schlafen sollte und setze mich auf die Bettkante. Die LED der Armbanduhr illuminiert 22:04:59 Uhr.

„Schon 24 Stunden in Haft“, stelle ich frustriert fest und es hallt im Schädel nach: ’24 Stunden!‘

„Verdammt, ich bin seit 24 Stunden in Haft! Warum nur? Wegen eines Tages und einer sehr kurzen Nacht im Hotel? Was ist passiert? Was soll das ganze? Ist das ein Witz? Bin ich im falschen Film, auf das falsche Gleis geraten?“ Ich führe Selbstgespräche.

Es geht mir unendlich viel durch den Kopf. Die liebe Familie, die Freunde und Kollegen in Deutschland. Die Familien und die Freunde aus dem Dorf. Und natürlich die fünf Jungen, die jetzt im Jugendheim stecken. Der robuste, praktisch denkende Sam, der nachdenkliche und intelligente Jan, der immer ein Auge auf seinen kleinen süßen und schüchternen Bruder Dan hat. Dann der immer lustige und freche Aboy und sein gutmütiger und abenteuerlustiger Cousin Phil. Das Erinnern an die stete Fröhlichkeit der Jungen und wie glücklich sie über unsere Reise gewesen sind, macht mich froh und traurig zugleich.

Da brennen noch Feuer in ihren jungen klaren Augen und sie haben dieses gewisse Funkeln. Ein Sprichwort sagt: ‚Das gesamte Universum ist in jedem Kind zu finden.‘

Meine Augen dagegen werden feucht, ich schluchze und heule sogleich leise los. Rücklinks liege ich auf dem versifften Bett und finde kein Ende. Das kleine Frotteetuch bedeckt mein Gesicht und ist bereits von Tränen durchnässt. Die Natur fordert dann doch ihren Tribut und ich falle in einen traumlosen Schlaf.

[Ende 2. Kapitel und zweiter Tag]

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