2.33. Konfrontation! Eltern – Polizistinnen

Die Eltern befinden sich jetzt in Ma’am Papillios und Ma’am Tolisans Büro. Die Kinder sind bei Officer Sarang geblieben und Heger ist mit seinem Besuch am Zellenhaus beschäftigt. Die beiden Polizistinnen beraten sich hinter verschlossener Tür in einer der beiden Kammern des Büros.

Ma’am Papillio steht neben Ma’am Tolisan und ist verärgert: „Schon wieder Ma’am Solano vom BSWD! Heute früh verstörte Kinder und nun verärgerte und aufgebrachte Eltern!“

Ma’am Tolisan schaut besorgt auf. Sie sitzt und sortiert Papiere am kleinen Computertisch: „Derzeit ist diese Frau tatsächlich keine Hilfe.“

„Nein!“, anwortet Ma’am Papillio frustriert. „Gestern Nacht hatte ich die Kinder fast soweit. Sie haben das nicht erlebt, Ma’am. Das war, nachdem Sie die Kammer und das Büro verlassen hatten. Ich hab8e noch mit den Jungs gesprochen. Die Kinder waren gerade aufgetaut. Hatten ein wenig Vertrauen gefasst. Gerade wollten die Kinder beginnen zu erzählen und da platzt diese Frau ungefragt zu uns in die Kammer und zerstört die Situation.“

Ma’am Tolisan ist mit dem Ordnen der Computerausdrucke fertig und reicht ihrer Chefin die Seiten: „Ich habe schon gemerkt, dass Sie gestern Nacht sauer waren, nachdem Solano in die Kammer stürmte. Wollte Sie aber nicht fragen, was los ist. Ma’am, hier die Bögen zu den Personalien der Kinder. Beginnen wir die Befragung damit?“

Ma’am Papillio prüft die Seiten: „Ja, damit sollten wir beginnen, Ma’am. Zuerst einmal müssen wir die Eltern runterbringen.“
Sie späht vorsichtig durch die Glasscheibe der Kammertür zu den Eltern und flüstert: „Das scheinen alles recht arme Leute zu sein. Landleute, denke ich.“

„Die Männer Fischer, nur der Vater der beiden Brüder ist Zimmermann. Die Frauen sind Hausfrauen“, fasst Ma’am Tolisan die Informationen, die die Kinder gaben, zusammen.

„Die Eltern haben wohl einen sehr geringen Bildungsstand.“ Ma’am Papillio ist nachdenklich, beißt sich unbewusst auf die Unterlippe und reibt das Kinn. „Passt das Ma’am Tolisan? Reicher Ausländer verwöhnt Eltern und Kinder, unterstützt die Kinder in der Schule, tut Gutes im Dorf, erschleicht sich so das Vertrauen der Eltern. Bringt dann die Kinder ins Hotel, um sie dort zu missbrauchen oder üble Fotos zu machen?“

„Ich weiß nicht, Ma’am Papillio. Heger hat doch ein Apartment in Sendong. Warum also die Kinder hierher bringen? Busreise, Gaisano, Schwimmen im Pool. Wenn der schlimme Sachen mit den Jungs plant, kann er das doch viel einfacher in Sendong haben. Irgendwie passt das nicht, Ma’am.“

Ma’am Papillio seufzt: „Sie haben Recht, irgendwie passt das nicht.“ Sie schaut erneut vorsichtig durch die Scheibe: „So, die Eltern scheinen sich abgeregt zu haben. Zeit, Klarheit zu schaffen.“

〰〰〰❇❇❇〰〰〰

Die Eltern sitzen nun schon einige Minuten im Büro. Die Polizistinnen haben sich in eine der beiden Kammern zurückgezogen.

Rica, Vicente und Lang schluchzen von Zeit zur Zeit ein wenig. Wie ihre Ehemänner und Romolo schauen sie sich verstohlen im Büro um. Studieren die Poster zu ‚Human Trafficking‘ und ‚Violation Against Women and Children‘ und andere kleinere Poster. Ihnen ist auch die kinderfreundliche Aufmachung des Büros nicht entgangen.

Auf einem der Schreibtische ein handgefertigtes, glänzend lackiertes Holzschild:
‚Police Superintendent Carmen Papillio‘
Unter den Angaben in kleineren Lettern:
‚Women And Children Helpdesk – Tugalm City‘

Ernesto ist immer noch aufgebracht. Er schaut auf seine abgenutzte Seiko: „Die lassen uns jetzt schon über fünf Minuten schmoren. Alles Polizeitaktik.“

Rica, Ernestos Ehefrau, ermahnt ihn besorgt: „Ern, beruhige Dich. Denke an Deinen Blutdruck. Du hast schon wieder die Pillen vergessen.“

„Wie soll ich denn? Bei diesem Stress?“, antwortet Ernesto barsch.

Rica schaut traurig zu Boden: „Ich kann auch nicht immer an alles denken.“

Michael stimmt Ernesto zu: „Ja, die lassen uns hier schmoren. Schaut mal, die junge Polizistin, die guckt ständig zu uns.“

Romolo und Matthew blicken teilnahmslos.

Matthew sagt plötzlich: „Hauptsache die Kinder kommen heute nach Hause.“

Die Mütter, Lang, Rica und Vicente nicken heftig.

Vicente schnäuzt sich in ihr schmutziges Taschentuch: „Warum sollten die Jungs nicht mit uns kommen können? Das ist doch alles nur ein Missverständnis.“

Wieder nicken die Mütter.

Ernesto schüttelt den Kopf: „Ich habe da so meine Bedenken. Aus Erfahrung wisst Ihr doch alle, wen das BSWD erst einmal hat, den gibt es so schnell nicht wieder her.“

„Ernesto, denke doch nicht immer negativ“, schimpft Rica.

„Ob hier Rauchen gestattet ist?“, fragt Michael. Er kann aber keinen Ascher entdecken. Es antwortet auch keiner. „Ich will später unbedingt noch mit Tommy reden!“

„Das wollen wir alle.“ Lang bringt ihr wirres Haar in Ordnung. Sie riecht den leichten Fischgeruch. ‚Hoffentlich merken das die Polizistinnen nicht‘, denkt sie beschämt.

Romolo reibt das schmerzende Knie. Er ärgert sich, hat er doch die Paracetamol in der Eile vergessen. Er stöhnt: „Das verdammte Knie und was für eine dumme Geschichte. Ich würde viel lieber mit Tommy und Aboy reden, als in diesem muffigen Büro meine Zeit zu verschwenden. Tommy ist unschuldig. Was – verdammt nochmal – wird Tommy denn eigentlich vorgeworfen? Das, das möchte ich jetzt endlich wissen.“

„Auch das wollen wir alle wissen!“, entgegnet emotionslos Matthew. Der ist die Ruhe selbst, liegt fast gerade auf dem Kunststoffstuhl (dessen Rückenlehne sich dadurch bedenklich nach hinten verformt) hat die Augen halb geschlossen und die Hände im Nacken verschränkt.

Die Gruppe nickt.

In dem Moment treten die Polizistinnen aus der Kammer.

〰〰〰❇❇❇〰〰〰

„Guten Tag“, eröffnet Ma’am Papillio freundlich das Gespräch. Sie stellt sich nochmals vor: „Mein Name ist PSI Papillio, Head of Women and Children Helpdesk. Und das ist meine Kollegin, PO3 Ma’am Tolisan.“

Drei Väter springen gleichzeitig auf. Die Mütter verharren zusammengesunken auf dem abgewetzten Kunststoffgestühl.

Noch bevor die Polizistinnen sich zur Gruppe setzen und noch bevor sie etwas sagen können, beginnt Ernesto mit seiner Rede. Er ist aufgebracht. Obwohl er sich die Worte zuvor gedanklich zurecht gelegt hat sprudelt der ganze Frust unkontrolliert aus ihm heraus: „Warum müssen wir das aus dem TV erfahren? Ich meine das Geschehen! Warum erst um 9 Uhr am Morgen? Die wurden doch um 10 abends verhaftet? Da ist doch genug Zeit, uns sofort zu informieren.“

Matthew wiederholt immerzu die Satzenden: „TV erfahren, das Geschehen, am Morgen, 10 abends verhaftet, uns sofort zu informieren.“

Romolo ruft dazwischen: „Gott weiß, Tommy ist unschuldig!“

Die Frauen weinen, schluchzen und schnäuzen sich permanent und lautstark.

Rica sagt unter Schluchzen: „Wir holen unsere Kinder heute heim.“

Ernesto hakt dort ein: „Richtig, wir bringen die Jungs heute zurück ins Dorf.“

Michael schaut in die Runde: „Redet doch nicht alle gleichzeitig!“
Und wendet sich an Ma’am Papillo: „Was – verdammt – ähm – was – bitte schön – werfen Sie Tommy überhaupt vor?“

Matthew wiederholt: „Überhaupt vor?“

Romolo übertönt die Frauen und Matthew: „Ist doch egal, was die dem Tommy vorwerfen! Der ist unschuldig! Basta und Amen!“

Ernesto brabbelt jetzt unverständliches und wirres Zeug: „Kenne den Polizeichef in Sendong. Mein Cousin zweiten Grades. Unerhörtes Vorgehen der Polizei in Tugalm. Das hat Konsequenzen.“

Rica pflichtet Ernesto bei. Sie hat kurz Blickkontakt mit Ma’am Papillio: „Mit dem Vorgehen der Polizei können wir nicht einverstanden sein. Wir waren doch so in Sorge, Ma’am.“

Lang schnäuzt sich: „Keiner sagt uns Bescheid.“

Vicente hat das Gesicht in den Händen vergraben. Ihr Körper zuckt beim Schluchzen.

Die Polizistinnen stehen und hören mit staunenden Gesichtern den Triaden zu. Lassen die Eltern ihre Beschwerden vorbringen.

Plötzlich tritt Ma’am Papillio zu Ernesto. Der erschrickt und weicht einen halben Schritt zurück. Ma’am streckt Ernesto die Hand zum Gruß entgegen: „Sie müssen Sams Vater ein? Und das ist sicherlich Ihre werte Gattin?“ Ma’am Papillio grüßt Ernestos Frau mit einem schnellen Hochziehen der Augenbrauen. Rica grüßt mit der gleichen Geste zurück.

Ernesto ist von der Hand zum Gruße und der unerwarteten Freundlichkeit der Polizistin überrascht und perplex und ehe er es sich versieht schüttelt er Ma’am Papillios Hand.

Dann sinkt er kraftlos auf die Kunststoffbank neben seine Frau, schweigt und senkt – peinlich berührt – den Kopf.

Auch Matthew und Michael setzen sich.

Allen steht der Schweiß auf der Stirn. Resignation weicht Angriffslust. Die Eltern haben ihre Beschwerden und Argumente vorgebracht. Eine bedrückende Stille setzt ein.

Die Polizistinnen setzen sich zu den Eltern.

Ma’am Papillio wirkt ausgeglichen. Was tatsächlich in ihr vorgeht, ist hinter einem leichten stehenden Lächeln versteckt: „Gut, dann lassen Sie uns mal Ihre vielen Fragen beantworten. Wir wollten eigentlich erst einmal die Personalien zu Ihnen und den Kindern vervollständigen.“
Mit Blick zu Ma’am Tolisan führt sie aus: „Das rennt nicht weg, das erledigen wir später.“

Ma’am Tolisan seufzt und nickt leicht.

Ma’am Papillio holt tief Luft, die Eltern schauen sie gespannt an. Plötzlich herrscht eine gespannte Stille: „Gut, wir hatten gestern einen anonymen Anruf. Ausländer mit Minderjährige im Hotel. Wir stellten das übliche Team bei solchen ‚Rescue Operationen‘ zusammen: Wir, Polizei vom CIDG, BSWD – wegen der Minderjährigen, Barangay Captain, also der Ortsvorsteher des Stadtteils und so weiter.
Ganz nebenbei bemerkt, ich habe keine Kenntnis darüber, wer die Medien informierte. Gut, wir haben die Kinder gerettet und Mr. Heger arrestiert. Wir waren bis spät in die Nacht beschäftigt. Und hätten wir Sie noch in der Nacht informiert, was dann? Sie hätten um drei Uhr in der Nacht eh nichts ausrichten können. Da haben die Kinder schon sicher im BSWD geschlafen. Und in der Früh hatten wir Ihre Kontaktdaten nicht. Die Medien waren wieder einmal schneller. Das ist leider so.“

Michael fragt in Ma’ams kurze Atempause: „Aber Ma’am, das ist doch ein Missverständnis. Tommy, also Mr. Heger, ist unschuldig, Ma’am.“

Michaels Frau Vicente, wiederholt: „Unschuldig, Ma’am.“

Rica wirft ein: „Aber wir können doch heute unsere Kinder nach Hause holen, Ma’am?“

Ma’am Papillio holt wieder tief Luft: „Warum sind Sie so sicher, dass Ihren Kindern nichts zugestoßen ist?“

Vicente antwortet schnell: „Aber der Tommy ist ein guter Mann, der tut unseren Kindern nichts an.“

Romolo räuspert sich umständlich: „Gott weiß, Tommy ist unschuldig. Amen!“

Lang fährt sich durch das wirre Haar: „Die Kinder, Ma’am. Die dürfen aber doch heute mit uns kommen?“

Ma’am antworte klar und im strengen Tonfall: „Nein! Laut dem Paragraf aus unserem Gesetzbuch, Republic Act 7610, ist das BSWD angewiesen, Kinder bei Verdacht auf jegliche Art von Missbrauch oder Vernachlässigung in seine Obhut zu nehmen.“

Die Eltern sind erschrocken und geschockt.

Lang weint und schluchzt: „Wir vernachlässigen unsere Kinder nicht. Sagen Sie so etwas nicht, Ma’am.“

Rica hat sich unter Kontrolle: „Das lass ich nicht zu! Ma’am, ich habe schon einmal ein Kind verloren.“

Vicente schüttelt langsam ungläubig den Kopf.

Nun schaltet sich Ma’am Tolisan in das Gespräch ein. Sie wendet sich an Lang: „Von Vernachlässigung redet doch keiner, Ma’am. Die Jungs wären nur für eine kurze Zeit im BSWD.
Nun fragt sie Rica: Ihr Familienname lautet Restito, Ma’am?“

„Ja, Ma’am, Restito“, bestätigt Rica.

Ma’am Tolisan versucht zu beruhigen und wiederholt: „Es ist doch nur für eine kurze Zeit.“

Ma’am Papillio redet ebenfalls im beruhigenden Ton: „Nur für kurze Zeit. Bis sich die Angelegenheit geklärt hat.“

„Haben Sie denn Beweise für Ihre Anschuldigungen?“, ruft Michael einen Tick zu laut.

Matthew wiederholt: „Beweise für Ihre Anschuldigungen?“, und fügt hinzu: „Haben Sie die?“

Alle anderen nicken. Nur Ernesto fragt ebenfalls ein wenig zu laut: „Haben Sie die Kinder befragt? Verhört?“

Ma’am Papillio antwortet mit einem emotionslosen: „Ja.“

„Was, ja?“, Michael lässt allen Respekt den Autoritätspersonen gegenüber fallen und wiederholt: „Ja, was, was sagen die Jungs denn?“

Matthew, Romolo und Ernesto wiederholen fast gleichzeitig: „Ja, was?“

Die Mütter beugen sich nach vorn, um besser die Antwort vernehmen zu können.

Ma’am Papillio räuspert sich, blickt verlegen Ma’am Tolisan an: „Gut, derzeit gibt es keine klaren Aussagen gegen Heger. Aber wir haben da unsere Zweifel. Kinder schweigen oft in den ersten Befragungen, wenn es um Missbrauch geht. Aus Scham oder auch, um ihren großen Freund zu schützen. Der Heger war doch immer ausgesprochen nett zu den Kindern und Ihnen, oder?“

„Das glaube ich nicht!“, ruft Lang ärgerlich. Ihr Kopf ist wieder hochrot.

„Unvorstellbar! Das glauben Sie doch selber nicht“, ruft Michael.

Ma’am Papillio reagiert wieder ruhig und entspannt: „Ma’am Tolisan und ich, wir arbeiten schon jahrelang in diesem Beruf. Sie glauben nicht, was wir schon alles erlebt haben.“

„Diese Verhaltensweisen von Kindern in solchen Fällen sind auch wissenschaftlich belegt“, fügt Ma’am Tolisan hinzu.

Ernesto ist neben seiner Frau zusammengesunken. Ihm und allen Eltern setzt das Gespräch stark zu. Er ist nur noch ein Häufchen Elend und flüstert: „Also wie lange Ma’am, wie lange bleiben unsere Kinder im BSWD?“

„So lange bis wir unsere Ermittlungen abgeschlossen haben. Danach liegt die Entscheidungsgewalt beim Gericht. Also beim Staatsanwalt oder Richter“, entgegnet Ma’am Papillio kompetent.

Die Eltern sind am Boden zerstört. Müssen das Gesagte und die Fakten nun verarbeiten.

Die Polizistinnen sind vom Geschehen vollkommen unbeeindruckt. Sie sind Profis.

Ma’am Tolisan holt tief Luft und kündigt so eine wichtige Frage an: „Wissen Sie, alle hier in unserer Stadt fragen sich, was sind das nur für Eltern, die ihren Kindern erlauben, mit einem Ausländer im Hotel zu übernachten?“

Rica, Vicente und Lang brechen erneut in Tränen aus. Die vier Väter wanken zwischen Wut und Fassungslosigkeit wegen dieser Frage.

Ernesto stammelt: „Aber, aber…“

Michael antwortet leise: „Weil Tommy unser aller Freund ist, Ma’am, deshalb“

Romolo ergänzt: „Und wir ihm vertrauen! Amen!“

Matthew pustet: „Amen!“

Vicente steht der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Sie bekommt sich unter Kontrolle und berichtet unter Tränen: „Wir lieben unsere Kinder, Ma’am. Die waren so froh, mit Tommy hierher reisen zu dürfen. Ins Gaisano Mall, Gaming Zone, Jolibee. Die haben von nichts anderem mehr geredet.

Michael ergänzt: „Total aufgedreht waren die Jungs. Glücklich!“

Die Eltern nicken heftig und zucken – zustimmend – mit den Augenbrauen.

Lang wischt Tränen vom Gesicht und schluchzt: „Ma’am, die Kinder waren wirklich glücklich!“

〰〰〰❇❇❇〰〰〰

In dem Moment geht die Bürotür auf. Officer Sarang steht im Türrahmen. Mit gestresstem Gesichtsaudruck entschuldigt er sich: „Sorry, Ma’am, sorry, aber die Kinder wollen unbedingt zu ihren Eltern.

Schon drücken sich die fünf Jungs an Sarang vorbei und belagern sofort ihre Eltern. Wieder heftige Wiedersehensrituale.

Ma’am Tolisan blickt verständnislos.

Ma’am Papillio flüstert in Richtung Ma’am Tolisan: „Ich verstehe die Kinder, die kommen sonst nicht aus ihrem Ort. Die waren noch nie lange von den Eltern getrennt.“

An die Eltern und deren Kinder gewandt ist Ma’am Papillio streng: „Bis vier Uhr ist Besuchszeit. Sie haben also fast 30 Minuten. Bitte sprechen Sie nicht mit den Kindern über Heger und den gestrigen Tag. Ich möchte auch nicht, dass Sie mit Heger sprechen. Bitte seien Sie morgen gegen 13 Uhr in meinem Büro. Wir haben noch einiges zu besprechen. Sie bleiben doch in Tugalm City?“

Die Eltern zögern mit den Antworten.

Ernesto antwortet: „Meine Frau und ich bleiben bei meiner Tochter.“

Michael schaut zu Romolo, Matthew und dessen Frau Lang. Dann zu seiner Frau Vicente. Er zuckt mit den Schultern: „Franco erzählte was von seiner Kirche. Dort kämen wir notfalls unter.“

„Das wird schon gehen.“, unterstützt seine Frau ihn optimistisch.

„Ich brauche jetzt unbedingt eine Zigarette.“, stöhnt Michael gestresst. „Ma’am, können wir eine rauchen, bitte?“

Ma’am Papillio sitzt jetzt hinter ihrem Schreibtisch: „Officer Sarang zeigt Ihnen die Raucherecke.“

〰〰〰❇❇❇〰〰〰

Die Eltern sind mit ihren Kindern aus dem Büro. Es liegt ein unangenehmer Fischgeruch in der Luft. Ma’am Papillio ist mit dem wohl duftenden Efficascent Oil beschäftigt.

Sie ruft in die Kammer, dort sitzt Ma’am Tolisan am Computer: „Das mit der Frage, was das für Eltern seien, war ganz schön hart.“

Ma’am Tolisan ruft zurück: „Die Eltern sollen gleich spüren, woher der Wind weht.“

Ma’am Papillo seufzt: „Wind ist gut, Ma’am. Da braut sich eher ein Taifun zusammen.“

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Die Eltern befinden sich jetzt in Ma’am Papillios und Ma’am Tolisans Büro. Die Kinder sind bei Officer Sarang geblieben und Heger ist mit seinem Besuch am Zellenhaus beschäftigt. Die beiden Polizistinnen beraten sich hinter verschlossener Tür in einer der beiden Kammern des Büros.

Ma’am Papillio steht neben Ma’am Tolisan und ist verärgert: „Schon wieder Ma’am Solano vom BSWD! Heute früh verstörte Kinder und nun verärgerte und aufgebrachte Eltern!“

Ma’am Tolisan schaut besorgt auf. Sie sitzt und sortiert Papiere am kleinen Computertisch: „Derzeit ist diese Frau tatsächlich keine Hilfe.“

„Nein!“, anwortet Ma’am Papillio frustriert. „Gestern Nacht hatte ich die Kinder fast soweit. Sie haben das nicht erlebt, Ma’am. Das war, nachdem Sie die Kammer und das Büro verlassen hatten. Ich habe noch mit den Jungs gesprochen. Die Kinder waren gerade aufgetaut. Hatten ein wenig Vertrauen gefasst. Gerade wollten die Kinder beginnen zu erzählen und da platzt diese Frau ungefragt zu uns in die Kammer und zerstört die Situation.“

Ma’am Tolisan ist mit dem Ordnen der Computerausdrucke fertig und reicht ihrer Chefin die Seiten: „Ich habe schon gemerkt, dass Sie gestern Nacht sauer waren, nachdem Solano in die Kammer stürmte. Wollte Sie aber nicht fragen, was los ist. Ma’am, hier die Bögen zu den Personalien der Kinder. Beginnen wir die Befragung damit?“

Ma’am Papillio prüft die Seiten: „Ja, damit sollten wir beginnen, Ma’am. Zuerst einmal müssen wir die Eltern runterbringen.“
Sie späht vorsichtig durch die Glasscheibe der Kammertür zu den Eltern und flüstert: „Das scheinen alles recht arme Leute zu sein. Landleute, denke ich.“

„Die Männer Fischer, nur der Vater der beiden Brüder ist Zimmermann. Die Frauen sind Hausfrauen“, fasst Ma’am Tolisan die Informationen, die die Kinder gaben, zusammen.

„Die Eltern haben wohl einen sehr geringen Bildungsstand.“ Ma’am Papillio ist nachdenklich, beißt sich unbewusst auf die Unterlippe und reibt das Kinn. „Passt das Ma’am Tolisan? Reicher Ausländer verwöhnt Eltern und Kinder, unterstützt die Kinder in der Schule, tut Gutes im Dorf, erschleicht sich so das Vertrauen der Eltern. Bringt dann die Kinder ins Hotel, um sie dort zu missbrauchen oder üble Fotos zu machen?“

„Ich weiß nicht, Ma’am Papillio. Heger hat doch ein Apartment in Sendong. Warum also die Kinder hierher bringen? Busreise, Gaisano, Schwimmen im Pool. Wenn der schlimme Sachen mit den Jungs plant, kann er das doch viel einfacher in Sendong haben. Irgendwie passt das nicht, Ma’am.“

Ma’am Papillio seufzt: „Sie haben Recht, irgendwie passt das nicht.“ Sie schaut erneut vorsichtig durch die Scheibe: „So, die Eltern scheinen sich abgeregt zu haben. Zeit, Klarheit zu schaffen.“

〰〰〰❇❇❇〰〰〰

Die Eltern sitzen nun schon einige Minuten im Büro. Die Polizistinnen haben sich in eine der beiden Kammern zurückgezogen.

Rica, Vicente und Lang schluchzen von Zeit zur Zeit ein wenig. Wie ihre Ehemänner und Romolo schauen sie sich verstohlen im Büro um. Studieren die Poster zu ‚Human Trafficking‘ und ‚Violation Against Women and Children‘ und andere kleinere Poster. Ihnen ist auch die kinderfreundliche Aufmachung des Büros nicht entgangen.

Auf einem der Schreibtische ein handgefertigtes, glänzend lackiertes Holzschild:
‚Police Superintendent Carmen Papillio‘
Unter den Angaben in kleineren Lettern:
‚Women And Children Helpdesk – Tugalm City‘

Ernesto ist immer noch aufgebracht. Er schaut auf seine abgenutzte Seiko: „Die lassen uns jetzt schon über fünf Minuten schmoren. Alles Polizeitaktik.“

Rica, Ernestos Ehefrau, ermahnt ihn besorgt: „Ern, beruhige Dich. Denke an Deinen Blutdruck. Du hast schon wieder die Pillen vergessen.“

„Wie soll ich denn? Bei diesem Stress?“, antwortet Ernesto barsch.

Rica schaut traurig zu Boden: „Ich kann auch nicht immer an alles denken.“

Michael stimmt Ernesto zu: „Ja, die lassen uns hier schmoren. Schaut mal, die junge Polizistin, die guckt ständig zu uns.“

Romolo und Matthew blicken teilnahmslos.

Matthew sagt plötzlich: „Hauptsache die Kinder kommen heute nach Hause.“

Die Mütter, Lang, Rica und Vicente nicken heftig.

Vicente schnäuzt sich in ihr schmutziges Taschentuch: „Warum sollten die Jungs nicht mit uns kommen können? Das ist doch alles nur ein Missverständnis.“

Wieder nicken die Mütter.

Ernesto schüttelt den Kopf: „Ich habe da so meine Bedenken. Aus Erfahrung wisst Ihr doch alle, wen das BSWD erst einmal hat, den gibt es so schnell nicht wieder her.“

„Ernesto, denke doch nicht immer negativ“, schimpft Rica.

„Ob hier Rauchen gestattet ist?“, fragt Michael. Er kann aber keinen Ascher entdecken. Es antwortet auch keiner. „Ich will später unbedingt noch mit Tommy reden!“

„Das wollen wir alle.“ Lang bringt ihr wirres Haar in Ordnung. Sie riecht den leichten Fischgeruch. ‚Hoffentlich merken das die Polizistinnen nicht‘, denkt sie beschämt.

Romolo reibt das schmerzende Knie. Er ärgert sich, hat er doch die Paracetamol in der Eile vergessen. Er stöhnt: „Das verdammte Knie und was für eine dumme Geschichte. Ich würde viel lieber mit Tommy und Aboy reden, als in diesem muffigen Büro meine Zeit zu verschwenden. Tommy ist unschuldig. Was – verdammt nochmal – wird Tommy denn eigentlich vorgeworfen? Das, das möchte ich jetzt endlich wissen.“

„Auch das wollen wir alle wissen!“, entgegnet emotionslos Matthew. Der ist die Ruhe selbst, liegt fast gerade auf dem Kunststoffstuhl (dessen Rückenlehne sich dadurch bedenklich nach hinten verformt) hat die Augen halb geschlossen und die Hände im Nacken verschränkt.

Die Gruppe nickt.

In dem Moment treten die Polizistinnen aus der Kammer.

〰〰〰❇❇❇〰〰〰

„Guten Tag“, eröffnet Ma’am Papillio freundlich das Gespräch. Sie stellt sich nochmals vor: „Mein Name ist PSI Papillio, Head of Women and Children Helpdesk. Und das ist meine Kollegin, PO3 Ma’am Tolisan.“

Drei Väter springen gleichzeitig auf. Die Mütter verharren zusammengesunken auf dem abgewetzten Kunststoffgestühl.

Noch bevor die Polizistinnen sich zur Gruppe setzen und noch bevor sie etwas sagen können, beginnt Ernesto mit seiner Rede. Er ist aufgebracht. Obwohl er sich die Worte zuvor gedanklich zurecht gelegt hat sprudelt der ganze Frust unkontrolliert aus ihm heraus: „Warum müssen wir das aus dem TV erfahren? Ich meine das Geschehen! Warum erst um 9 Uhr am Morgen? Die wurden doch um 10 abends verhaftet? Da ist doch genug Zeit, uns sofort zu informieren.“

Matthew wiederholt immerzu die Satzenden: „TV erfahren, das Geschehen, am Morgen, 10 abends verhaftet, uns sofort zu informieren.“

Romolo ruft dazwischen: „Gott weiß, Tommy ist unschuldig!“

Die Frauen weinen, schluchzen und schnäuzen sich permanent und lautstark.

Rica sagt unter Schluchzen: „Wir holen unsere Kinder heute heim.“

Ernesto hakt dort ein: „Richtig, wir bringen die Jungs heute zurück ins Dorf.“

Michael schaut in die Runde: „Redet doch nicht alle gleichzeitig!“
Und wendet sich an Ma’am Papillo: „Was – verdammt – ähm – was – bitte schön – werfen Sie Tommy überhaupt vor?“

Matthew wiederholt: „Überhaupt vor?“

Romolo übertönt die Frauen und Matthew: „Ist doch egal, was die dem Tommy vorwerfen! Der ist unschuldig! Basta und Amen!“

Ernesto brabbelt jetzt unverständliches und wirres Zeug: „Kenne den Polizeichef in Sendong. Mein Cousin zweiten Grades. Unerhörtes Vorgehen der Polizei in Tugalm. Das hat Konsequenzen.“

Rica pflichtet Ernesto bei. Sie hat kurz Blickkontakt mit Ma’am Papillio: „Mit dem Vorgehen der Polizei können wir nicht einverstanden sein. Wir waren doch so in Sorge, Ma’am.“

Lang schnäuzt sich: „Keiner sagt uns Bescheid.“

Vicente hat das Gesicht in den Händen vergraben. Ihr Körper zuckt beim Schluchzen.

Die Polizistinnen stehen und hören mit staunenden Gesichtern den Triaden zu. Lassen die Eltern ihre Beschwerden vorbringen.

Plötzlich tritt Ma’am Papillio zu Ernesto. Der erschrickt und weicht einen halben Schritt zurück. Ma’am streckt Ernesto die Hand zum Gruß entgegen: „Sie müssen Sams Vater ein? Und das ist sicherlich Ihre werte Gattin?“ Ma’am Papillio grüßt Ernestos Frau mit einem schnellen Hochziehen der Augenbrauen. Rica grüßt mit der gleichen Geste zurück.

Ernesto ist von der Hand zum Gruße und der unerwarteten Freundlichkeit der Polizistin überrascht und perplex und ehe er es sich versieht schüttelt er Ma’am Papillios Hand.

Dann sinkt er kraftlos auf die Kunststoffbank neben seine Frau, schweigt und senkt – peinlich berührt – den Kopf.

Auch Matthew und Michael setzen sich.

Allen steht der Schweiß auf der Stirn. Resignation weicht Angriffslust. Die Eltern haben ihre Beschwerden und Argumente vorgebracht. Eine bedrückende Stille setzt ein.

Die Polizistinnen setzen sich zu den Eltern.

Ma’am Papillio wirkt ausgeglichen. Was tatsächlich in ihr vorgeht, ist hinter einem leichten stehenden Lächeln versteckt: „Gut, dann lassen Sie uns mal Ihre vielen Fragen beantworten. Wir wollten eigentlich erst einmal die Personalien zu Ihnen und den Kindern vervollständigen.“
Mit Blick zu Ma’am Tolisan führt sie aus: „Das rennt nicht weg, das erledigen wir später.“

Ma’am Tolisan seufzt und nickt leicht.

Ma’am Papillio holt tief Luft, die Eltern schauen sie gespannt an. Plötzlich herrscht eine gespannte Stille: „Gut, wir hatten gestern einen anonymen Anruf. Ausländer mit Minderjährige im Hotel. Wir stellten das übliche Team bei solchen ‚Rescue Operationen‘ zusammen: Wir, Polizei vom CIDG, BSWD – wegen der Minderjährigen, Barangay Captain, also der Ortsvorsteher des Stadtteils und so weiter.
Ganz nebenbei bemerkt, ich habe keine Kenntnis darüber, wer die Medien informierte. Gut, wir haben die Kinder gerettet und Mr. Heger arrestiert. Wir waren bis spät in die Nacht beschäftigt. Und hätten wir Sie noch in der Nacht informiert, was dann? Sie hätten um drei Uhr in der Nacht eh nichts ausrichten können. Da haben die Kinder schon sicher im BSWD geschlafen. Und in der Früh hatten wir Ihre Kontaktdaten nicht. Die Medien waren wieder einmal schneller. Das ist leider so.“

Michael fragt in Ma’ams kurze Atempause: „Aber Ma’am, das ist doch ein Missverständnis. Tommy, also Mr. Heger, ist unschuldig, Ma’am.“

Michaels Frau Vicente, wiederholt: „Unschuldig, Ma’am.“

Rica wirft ein: „Aber wir können doch heute unsere Kinder nach Hause holen, Ma’am?“

Ma’am Papillio holt wieder tief Luft: „Warum sind Sie so sicher, dass Ihren Kindern nichts zugestoßen ist?“

Vicente antwortet schnell: „Aber der Tommy ist ein guter Mann, der tut unseren Kindern nichts an.“

Romolo räuspert sich umständlich: „Gott weiß, Tommy ist unschuldig. Amen!“

Lang fährt sich durch das wirre Haar: „Die Kinder, Ma’am. Die dürfen aber doch heute mit uns kommen?“

Ma’am antworte klar und im strengen Tonfall: „Nein! Laut dem Paragraf aus unserem Gesetzbuch, Republic Act 7610, ist das BSWD angewiesen, Kinder bei Verdacht auf jegliche Art von Missbrauch oder Vernachlässigung in seine Obhut zu nehmen.“

Die Eltern sind erschrocken und geschockt.

Lang weint und schluchzt: „Wir vernachlässigen unsere Kinder nicht. Sagen Sie so etwas nicht, Ma’am.“

Rica hat sich unter Kontrolle: „Das lass ich nicht zu! Ma’am, ich habe schon einmal ein Kind verloren.“

Vicente schüttelt langsam ungläubig den Kopf.

Nun schaltet sich Ma’am Tolisan in das Gespräch ein. Sie wendet sich an Lang: „Von Vernachlässigung redet doch keiner, Ma’am. Die Jungs wären nur für eine kurze Zeit im BSWD.
Nun fragt sie Rica: Ihr Familienname lautet Restito, Ma’am?“

„Ja, Ma’am, Restito“, bestätigt Rica.

Ma’am Tolisan versucht zu beruhigen und wiederholt: „Es ist doch nur für eine kurze Zeit.“

Ma’am Papillio redet ebenfalls im beruhigenden Ton: „Nur für kurze Zeit. Bis sich die Angelegenheit geklärt hat.“

„Haben Sie denn Beweise für Ihre Anschuldigungen?“, ruft Michael einen Tick zu laut.

Matthew wiederholt: „Beweise für Ihre Anschuldigungen?“, und fügt hinzu: „Haben Sie die?“

Alle anderen nicken. Nur Ernesto fragt ebenfalls ein wenig zu laut: „Haben Sie die Kinder befragt? Verhört?“

Ma’am Papillio antwortet mit einem emotionslosen: „Ja.“

„Was, ja?“, Michael lässt allen Respekt den Autoritätspersonen gegenüber fallen und wiederholt: „Ja, was, was sagen die Jungs denn?“

Matthew, Romolo und Ernesto wiederholen fast gleichzeitig: „Ja, was?“

Die Mütter beugen sich nach vorn, um besser die Antwort vernehmen zu können.

Ma’am Papillio räuspert sich, blickt verlegen Ma’am Tolisan an: „Gut, derzeit gibt es keine klaren Aussagen gegen Heger. Aber wir haben da unsere Zweifel. Kinder schweigen oft in den ersten Befragungen, wenn es um Missbrauch geht. Aus Scham oder auch, um ihren großen Freund zu schützen. Der Heger war doch immer ausgesprochen nett zu den Kindern und Ihnen, oder?“

„Das glaube ich nicht!“, ruft Lang ärgerlich. Ihr Kopf ist wieder hochrot.

„Unvorstellbar! Das glauben Sie doch selber nicht“, ruft Michael.

Ma’am Papillio reagiert wieder ruhig und entspannt: „Ma’am Tolisan und ich, wir arbeiten schon jahrelang in diesem Beruf. Sie glauben nicht, was wir schon alles erlebt haben.“

„Diese Verhaltensweisen von Kindern in solchen Fällen sind auch wissenschaftlich belegt“, fügt Ma’am Tolisan hinzu.

Ernesto ist neben seiner Frau zusammengesunken. Ihm und allen Eltern setzt das Gespräch stark zu. Er ist nur noch ein Häufchen Elend und flüstert: „Also wie lange Ma’am, wie lange bleiben unsere Kinder im BSWD?“

„So lange bis wir unsere Ermittlungen abgeschlossen haben. Danach liegt die Entscheidungsgewalt beim Gericht. Also beim Staatsanwalt oder Richter“, entgegnet Ma’am Papillio kompetent.

Die Eltern sind am Boden zerstört. Müssen das Gesagte und die Fakten nun verarbeiten.

Die Polizistinnen sind vom Geschehen vollkommen unbeeindruckt. Sie sind Profis.

Ma’am Tolisan holt tief Luft und kündigt so eine wichtige Frage an: „Wissen Sie, alle hier in unserer Stadt fragen sich, was sind das nur für Eltern, die ihren Kindern erlauben, mit einem Ausländer im Hotel zu übernachten?“

Rica, Vicente und Lang brechen erneut in Tränen aus. Die vier Väter wanken zwischen Wut und Fassungslosigkeit wegen dieser Frage.

Ernesto stammelt: „Aber, aber…“

Michael antwortet leise: „Weil Tommy unser aller Freund ist, Ma’am, deshalb“

Romolo ergänzt: „Und wir ihm vertrauen! Amen!“

Matthew pustet: „Amen!“

Vicente steht der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Sie bekommt sich unter Kontrolle und berichtet unter Tränen: „Wir lieben unsere Kinder, Ma’am. Die waren so froh, mit Tommy hierher reisen zu dürfen. Ins Gaisano Mall, Gaming Zone, Jolibee. Die haben von nichts anderem mehr geredet.

Michael ergänzt: „Total aufgedreht waren die Jungs. Glücklich!“

Die Eltern nicken heftig und zucken – zustimmend – mit den Augenbrauen.

Lang wischt Tränen vom Gesicht und schluchzt: „Ma’am, die Kinder waren wirklich glücklich!“

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In dem Moment geht die Bürotür auf. Officer Sarang steht im Türrahmen. Mit gestresstem Gesichtsaudruck entschuldigt er sich: „Sorry, Ma’am, sorry, aber die Kinder wollen unbedingt zu ihren Eltern.

Schon drücken sich die fünf Jungs an Sarang vorbei und belagern sofort ihre Eltern. Wieder heftige Wiedersehensrituale.

Ma’am Tolisan blickt verständnislos.

Ma’am Papillio flüstert in Richtung Ma’am Tolisan: „Ich verstehe die Kinder, die kommen sonst nicht aus ihrem Ort. Die waren noch nie lange von den Eltern getrennt.“

An die Eltern und deren Kinder gewandt ist Ma’am Papillio streng: „Bis vier Uhr ist Besuchszeit. Sie haben also fast 30 Minuten. Bitte sprechen Sie nicht mit den Kindern über Heger und den gestrigen Tag. Ich möchte auch nicht, dass Sie mit Heger sprechen. Bitte seien Sie morgen gegen 13 Uhr in meinem Büro. Wir haben noch einiges zu besprechen. Sie bleiben doch in Tugalm City?“

Die Eltern zögern mit den Antworten.

Ernesto antwortet: „Meine Frau und ich bleiben bei meiner Tochter.“

Michael schaut zu Romolo, Matthew und dessen Frau Lang. Dann zu seiner Frau Vicente. Er zuckt mit den Schultern: „Franco erzählte was von seiner Kirche. Dort kämen wir notfalls unter.“

„Das wird schon gehen.“, unterstützt seine Frau ihn optimistisch.

„Ich brauche jetzt unbedingt eine Zigarette.“, stöhnt Michael gestresst. „Ma’am, können wir eine rauchen, bitte?“

Ma’am Papillio sitzt jetzt hinter ihrem Schreibtisch: „Officer Sarang zeigt Ihnen die Raucherecke.“

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Die Eltern sind mit ihren Kindern aus dem Büro. Es liegt ein unangenehmer Fischgeruch in der Luft. Ma’am Papillio ist mit dem wohl duftenden Efficascent Oil beschäftigt.

Sie ruft in die Kammer, dort sitzt Ma’am Tolisan am Computer: „Das mit der Frage, was das für Eltern seien, war ganz schön hart.“

Ma’am Tolisan ruft zurück: „Die Eltern sollen gleich spüren, woher der Wind weht.“

Ma’am Papillo seufzt: „Wind ist gut, Ma’am. Da braut sich eher ein Taifun zusammen.“

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