10.00. Ganz alleine [OFFEN]

Dan wird vom Trubel wach, der im Flur vor dem Schlafsaal herrscht. Es muss gegen sechs Uhr sein, denn durch die waagrechten Lamellen der Milchglasscheiben fällt Licht. Die Tür wird aufgestoßen, Ma’am Burque schaut ins Zimmer, sagt „Das gibt’s doch nicht!“ und verschwindet sogleich wieder.

„Jan wach auf, der Dodung, Bernie und Necko und die zwei anderen sind weg“, flüstert Dan vom oberen Etagenbett und fügt traurig hinzu: „Alle weg, jetzt sind wir ganz alleine.“ Er klettert zum Bruder hinunter. Der erwacht schlagartig, setzt sich auf die Bettkante, reibt sich die Augen und betrachtet dann ungläubig die leeren Betten. Dan schmiegt sich an den Bruder und schluchzt leise: „Jan, jetzt sind wir ganz alleine. Keine Mama, keinen Papa und keine Freunde mehr. Niemand mehr!“

Jan streicht Dan übers Haar: „Mama und Rica kommen doch später, wir sind nicht alleine. Außerdem sind wir doch fünf Freunde hier. Mache die anderen wach.“

Dan seufzt, schüttelt die Traurigkeit ab und tut wie ihm befohlen. Phil, Aboy und Sam setzen sich, müde und schlaftrunken, neben die Brüder und blicken nun ebenfalls ungläubig zu den leeren Betten.

„Die haben das wirklich gemacht, ich dachte, Dodung spinnt bloß und macht Spaß, als er über das Abhauen geredet hat“, flüstert Phil.

„Alle Achtung“, sagt Sam tief beeindruckt und gähnt.

Aboy dagegen ist wütend: „Blödmänner! Lassen uns hier im Heim mit den komischen Leuten ganz alleine. Tolle Freunde! Ich wäre auch abgehauen, aber Ihr wolltet ja nicht, weil Ihr Schiss in den Hosen habt!“

„Ist doch egal jetzt, Aboy. Sie sind weg!“, versucht Jan Aboy zu beruhigen.

„Und mein Vater tut alles, damit wir hier so schnell wie möglich auch rauskönnen, denn der kennt den Chef vom BSWD in Sendong. Also warum abhauen, wenn wir sowieso bald nach Hause können?“, erzählt Sam.

Draußen im Flur wird es laut. Die Fünf schleichen zur Tür und spähen durch den Türspalt.

Der dicke Wachmann ist wütend und verzweifelt zugleich. „Wenn ich die Bälger erwische, dann können die was erleben“, zischt er aufgebracht. Seine Tonlage ändert sich, er winselt nun: „Die sind einfach durch den Zaun! Ich hatte doch die Tür vom Gebäude abgeschlossen und dann noch einmal geprüft, ob die auch wirklich zu ist.“

Sir Sala, der etwa einen Kopf kleiner als der Wachmann ist, geht nervös fünf Schritte, kehrt um und geht den gleichen Weg zurück. Er fuchtelt beim Sprechen wild mit der rechten Hand: „Mann, Sie haben doch gepennt! Wie sonst sind die dummen Jungen mit dem Schlüssel durch die Eingangstür?“

Der Wachmann wischt sich den Schweiß von der Stirn und stottert: „Entschuldigung, Sir, aber ich kann mir das nicht erklären!“ Zu sich selber sagt er: „Verdammt, jetzt verliere ich auch noch meinen Job!“

„Halten Sie doch mal den Mund!“, herrscht Sir Sala den Wachmann an. Dem ist wohl völlig das Rauchverbot im Haus entfallen, denn er zündet sich mit zittrigen Händen eine Zigarette an. Sala beachtet das nicht. Er denkt nach und brüllt unvermittelt: „Die Rugbyboys sind mir scheißegal, aber die zwei anderen! Das kann peinlich werden! Oh Mann, die sollten sowieso Ende der Woche zurück zu ihrer Mutter. Wenn die jetzt untertauchen, haben wir ein riesiges Problem. Das ist Ihnen doch klar?“

Der Wachmann nickt nervös und lässt unbeabsichtigt die Asche der Zigarette auf den Boden fallen.

Sala hingegen beruhigt sich, obwohl sein Kopf noch rot vom Bluthochdruck ist und die Glatze im Neonlicht vom Schweiß glänzt wie eine Speckschwarte. In normaler Tonlage sagt er: „Sorgen Sie dafür, dass das Loch im Zaun sofort gestopft wird. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die fünf anderen auch noch stiften gehen. Ich werde jetzt die Polizei informieren. Die Zwei aus der Familie sind bestimmt nach Hause gelaufen oder ins Krankenhaus zu ihrer Mutter.“ Er redet sich in Rage: „Wohin die drei anderen sind, ist doch klar: zurück in die Gosse, dorthin, wo es den Rugby-Klebstoff und Drogen gibt. Sollen sie dort bleiben! Das ist besser für alle. Ich will die gar nicht zurück haben. Undankbares Pack.“

Der Wachmann versucht Sir Sala zu beschwichtigen und biedert sich an: „Da haben Sie vollkommen recht, Sir! Bei denen ist alles zu spät. Die sollen schön dort bleiben, wo sie hingehören, in die Gosse und in den Müll.“

Sir Sala ruft Ma’am Burque, die im zweiten Schlafsaal mit den kleineren Kindern beschäftigt ist: „Ma’am, sorgen Sie dafür, dass die Fünf aus der Hotelgeschichte um 8:30 Uhr fertig sind. Termin im Gericht. Der Staatsanwalt lässt bitten.“

Sir Sala und der Wachmann gehen eilig ihrer Wege. Ma’am sieht fünf neugierige Gesichter im Türspalt: „Kinder, macht Euch fertig! Begebt Euch ins Bad und dann ab zum Frühstück.“ Ma’am Burque fischt ihr Cellphone aus der Hosentasche und sucht die neue Telefonnummer aus dem Adressbuch. Dann flüstert sie: „Ma’am Restito, gegen 9:00 Uhr im Gericht. Aber das wissen Sie nicht von mir.“

„Natürlich, Ma’am!“, hört Ma’am Burque Rica Restito leise antworten. Sogleich beendet Sie das Gespräch.

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