1.07. Straftat?

Die Kinder kommen aus der Kammer. Einer nach dem anderen. Die Frontfrau streicht entweder jeden Jungen über den Kopf oder schiebt ihn an den Schultern aus der Tür. Ratlos stehen nun die Kinder im Büro, während die Frontfrau gepresst-leise mit Ma’am Papillio spricht. Papillio scheint aufgebracht zu sein. Die Kinder schauen sich verlegen um und dich mitleidig an. Ihnen fallen fast die Augen zu. Sie sind total übernächtigt, verschwitzt und verheult.
Aboy bricht das belastende Schweigen: „Tommy… ikaw, okra? You ar ok?“
Jan fragt in etwas besserem Englisch: „Are you ok?“
„I’m very tiered“, gähnst du, „don’t worry boys. That is an misunderstanding, Sayop, mistake. Tomorrow, mhm tomorrow morning, I’m sure, we can go home. I’m very sorry boys!“, du raufst dir die Haare.
„You all are looking very tired“, sprichst du mit einem verunglückten Lächeln.
„Tommy ikaw wala sayop“, antwort Sam diesmal.
Aboy stimmt Sam zu: „Is not your mistake!“

Du denkst mit Unbehagen an das Gesetz, aber auch an die Ausnahme: ‚Legal duty? Was heißt das?‘, fragst du dich. Ihr wolltet doch auch einiges für die Schule kaufen. Dann hast du doch auch die Erlaubnis der Eltern. ‚Ist das nicht Legal duty?
Du versuchst dich an den Wortlaut zu erinnern: ‚….performance of a social, moral or legal duty.

‚Scheiße!‘, denkst du als du die Kinder anblickst und du wiederholst traurig: „Sorry boys!“
Die Jungs schauen dich mit großen Augen, verständnislos an.

Papillio und die Frontfrau bemerken den Smalltalk und verlassen plötzlich eilig gemeinsam die Kammer.
Ma’am Papillio weist die Kinder an, ihre Rucksäcke auf zu nehmen. Diese liegen in einem Stapel hinter Sarangs Schreibtisch. Müde und behäbig legen die Kinder ihre Rucksäcke um die Schultern. Die Frontfrau macht Druck, klatscht in die Hände, als ob sie einen Schwarm Hühner aufscheuchen wolle.
Ma’am Papillio redet ruhig zu den Kindern: „Kinder Ihr schlaft heute im BSWD. Ma’am Solano wird euch begleiten. Seit schön artig und befolgt ihre Anweisungen.“
Die Kinder nicken müde und flüstern kurz miteinander.
Wieder ist es Aboy, der den Mut findet und spricht: „Wir haben Cellphones. Wir wollen unsere Eltern anrufen!“

„Kinder, ruft die Frontfrau spitz (das Wort Kinder elendig lang gezogen) und jetzt, „Oh my gosh.“ Ihre kleine, fette Hand hält sie wieder vor den Mund.
‚Die gleiche dämliche Geste, wie im Hotelzimmer‘, denkst du verbittert.
Immerhin kennst du nun ihren Namen ‚Solano‘.
Ma’am Papillio fällt Ma’am Solano ins Wort:
„Morgen früh Jungs. Eure Eltern schlafen doch. Es ist mitten in der Nacht.“
Damit geben sich die Jungs zufrieden.
Kein Protest.

Solano wedelt plötzlich wild mit den Armen als wolle sie Hühner einfangen.
„Husch, husch, husch….“, ihre albernen Worte.
Sie würdigt dich keines Blickes. Den ganzen Abend nicht und auch jetzt nicht.
Hintereinander verschwinden die Jungs durch die massive Bürotür. Ma’am Solano als letztes. Das Doppelkinn stolz erhoben, genießt sie sichtlich den Erfolg, ihren Triumph, während sie schützend die Hand auf den Kopf des kleinsten, Dan legt und den durch den Türrahmen schiebt.

Sarang und sein Kollege, der andere junge Polizist, schauen Papillio fragend an. Ma’am Tolisan kommt soeben durch die Bürotür. Sie schaut instinktiv auf ihre goldene Damenarmbanduhr und seufzt ohne ein Wort zu verlieren.

„Mr. Heger, ich denke Sie wollen nichts zur Sache aussagen?“, wendet sich Ma’am Papillio müde an dich.
„Ma’am Papillio, ich kenne die Kinder seit deren Geburt. Hatte die Erlaubnis der Eltern zu Reise. Was gibt Ihnen das Recht uns aus dem Hotel zu schleppen, mit diesen ätzenden Kameraleuten und den unzähligen Leuten, die hunderte Fotos von den schlafenden Kinder machen? Sehen sie meine Hand…..“

Ma’am Papillio fällt dir ins Wort: „Bitte beruhigen Sie sich doch, Mr. Heger. Das mit Ihrer Hand tut mir leid. Das kann schon mal passieren. Sorry. Es ist schon sehr spät. Ihre Daten haben wir. Wir können jetzt nichts mehr tun. Officer Sarang wird Sie in die Zelle bringen. Dort können Sie sich ausschlafen. Ich schlage vor, wir machen morgen früh, ähh ich meine, später am Morgen weiter.
„Und warum hat man mich verhaftet?“, protestierst du.
„Hat Ihnen Officer Villanova nicht das Gesetzt gezeigt?“, fragt Papillio verwundert.
„Doch, doch! Aber das kann doch nicht Ihr ernst sein?“, entgegnest du aufgebracht.
Ma’am Tolisan, sie steht die ganze Zeit neben euch schaltet sich ein: „Gesetzesverstoss ist Gesetzesverstoss!“, sagt sie barsch.
„Ist schon ok Ma’am!“, bringt Ma’am Papillio Ma’am Tolisan zum Schweigen.
„Aber Officer Sarang sagte, da wäre noch eine gute Nachricht für mich drinn, heute Nacht“
Officer Sarang schaut betreten zu Boden.
Ma’am Papillio scheint zu überlegen, dann sagt sie nur kurz: „Mr. Heger, darüber reden wir morgen früh.“

Und zu Officer Sarang und Officer Pangutana sagt sie: „Zeit Feierabend zu machen. Bitte bringt Mr. Heger in seine Zelle. Gute Nacht Sir!“

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