1.06. Verdammt, wo ist das Problem? [OFFEN]

Vom Fortgang des Dramas in der engen Kammer, vom Leiden der Kinder und auch der beiden Polizistinnen, bekomme ich nichts weiter mit. Denn zeitgleich zu der zähen Befragung kommt CIDG-Officer Villanova, polternd und schnaufend, ins Büro, knallt die Tür zu und legt unsanft meinen Rucksack zu meinen Füßen. Er öffnet kurz die Tür zur Kammer und schüttelt schweigend den Kopf Richtung Ma’am Papillio. Bevor Villanova die Tür der Kammer zu schlägt, höre ich deutlich ein „Okay“ von Ma’am Papillio.

Ein gesungenes Okay. Kurzes „O“, langes „Ay“. Ein „Okay“, das Frauen dann benutzen, wenn sie einer Sache zustimmen, aber eigentlich genau das Gegenteil meinen, wollen oder möchten.

Officer Sarang nickt mir erleichtert zu und hebt schnell, für Officer Villanova und den Polizistinnen unbemerkt, den rechten Daumen. Ich habe gerade absolut nicht die Nerven und die Fantasie, den Zusammenhang zwischen CIDG-Officer Villanova, dem Okay von Ma’am Papillio und Officer Sarangs Geste zu verstehen.

Auch bleibt mir keine Zeit, lange darüber nachzudenken oder zu fragen, denn nun steht Officer Villanova vor mir. Er hat etwas Primatenhaftes. Der robuste Körperbau. Die etwas zu langen Arme mit den großen Händen. Ein fehlender Hals mit quadratisch wirkenden Kopf. Dazu die kurzen Beine und ein trainierter Körper, aber Bierbauch und Glatze. ‚Gut, letzteres hat ein Primat wohl nicht. Der ist nicht fett‘, stelle ich jetzt im kalten Neonlicht fest, ‚der ist einfach so gebaut!‘

Villanova grinst breit und präsentiert dabei ein unvollständiges Gebiss. Gleichzeitig hebt er kurz den Rucksack an und stellt fest: „Ganz schön schwer!“

„Das ist die Spiegelreflexkamera mit dem Objektiv“, antworte ich, ohne aufzublicken. Was ich denke, behalte ich lieber für mich: ‚Das geht dich gar nichts an, brutaler Idiot!‘

Unter seinem linken Arm klemmt ein Tablet-PC. Ich glaube zuerst, mein Tablet-PC zu erkennen, merke dann aber schnell, dass das irgendein Nonameprodukt ist.

Officer Villanova ist bemüht, verständliches Englisch zu sprechen: „Die Miranda Doctrine habe ich Ihnen ja schon im Hotelzimmer vorgelesen.“

Ich bin genervt: „Die was? Minrinda, Maranda was bitte?“

Officer Villanova schnauft ungeduldig: „Sie haben das Recht zu schweigen!“

Nicht ohne Spott in der Stimme entgegne ich: „Kann mich nicht erinnern!“, dann grinse ich frech: „War wohl anderweitig beschäftigt!“

Officer Villanova ist verärgert: „Machen Sie sich nur lustig. Das hier ist überhaupt nicht witzig. Ihre Situation ist alles andere als zum Lachen!“

Verbittert entgegne ich: „Das habe ich kapiert, Sir! Was bitte – verdammt nochmal – werfen Sie mir eigentlich vor?“

Officer Villanova grinst siegessicher und klopft auf die Rückseite des Tablet-PCs: „Das werden Sie gleich erfahren. Aber erst lese ich Ihnen nochmal die „Miranda Warning“ oder wie wir sagen die „Miranda Doctrine“ vor, sodass ich als ihr Arresting Officer, also Officer, der Sie festgenommen hat, keine Probleme kriege! Man weiß ja nie! Foreigner, big money, private Attorney!“, er lacht gehässig.

Vom Gequatsche verstehe ich nicht viel. Das zuletzt Gehörte, weiß ich dennoch zu übersetzen: ‚Ausländer, Taschen voller Geld, privater Anwalt.‘ Genervt frage ich: „Über was reden Sie da überhaupt?“

Villanova zeigt zu den Polizisten: „Officer Sarang und Officer Pangutana sind meine Zeugen.“

Die zwei jungen Polizisten nicken ein wenig, ohne von ihrer Schreibtischarbeit aufzuschauen. Villanova holt tief Luft, schaut auf das Papier in seiner Hand und beginnt zu lesen. Sein Brustkorb schwillt, sein Englisch ist schlecht:

„You have the right to remain silent. Anything you say can and will be used against you in a court of law. You have the right to an attorney. If you cannot afford an Attorney, one will be provided for you. Do you understand the rights I have just read to you? With these rights in mind, do you wish to speak to me?“

‚Oh, Mann‘, denke ich, während er eifrig liest, ‚was muss ich noch alles über mich ergehen lassen?‘

Die Passagen, die ich verstehe, übersetze ich dennoch frei im Gedanken:

‚Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie sagen kann gegen Sie im Gerichtssaal verwendet werden. Sie haben das Recht auf einen Anwalt. Wenn Sie keinen Anwalt haben, wird einer für Sie beauftragt werden. Verstehen Sie die Rechte, die ich Ihnen gerade vorgelesen habe? Mit dem Wissen über Ihre Rechte, wollen Sie mit mir reden?‘

Nach ein paar Minuten endet er. Ich bin schrecklich müde.

„Sprechen Sie mit mir, mit uns?“, fragt Officer Villanova mit kritischem Blick.

Sofort bin ich wieder hellwach: „Mache ich, aber sagen Sie mir doch endlich, wo das Problem liegt?“

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